Finished 10k beim Oslo Marathon 2016

WAS FÜR EIN ERLEBNIS!

Am 3.1. diesen Jahres lief ich meine ersten 10 km, mit Spikes bei minus 10 Grad und bekam Lust, mal an einem „richtigen Lauf“ teilzunehmen. Sowas habe ich bisher noch NIE gemacht.
Gesagt, getan und ruckzuck angemeldet für „10 for Grete“ beim Oslo Marathon. Als Max.Zeit waren 1:45 angegeben. Gebraucht hab ich beim ersten Lauf 1:35. Also Luft nach oben und besser werden wollte ich ja auch.

Gefreut hab ich mich das ganze Jahr drauf.
Im Frühjahr hab ich dann auch begonnen, einem Trainingsplan von Polar mehr oder weniger diszipliniert zu folgen. Da gab es nicht nur Läufe, sondern auch Stabilitäts-, Kraft- und Coretraining.

Am Samstag, dem 17.9. war es dann soweit.

Etwa 10 Tage vorher hatte ich mir bei einem Ausfallschritt den Fuss verknackst. Aaaahhhhhh! Nein – doch nicht JETZT! Aber: geschont und geschont und geschont und dann war nach 2-3 Tagen alles wieder heile.
Körperlich alles gut – konditionsmässig eigentlich auch.
Aufgeregt war ich mega – aber dieses Gefühl habe ich genossen. 🙂

Meine Startnummer habe ich mir bereits am Donnerstag geholt inkl. verschiedenen Give-aways und dem T-Shirt. Das gab es sogar in XXL als Frauengrösse – wunderbar! Was war ich da schon aufgeregt! Werden die mich Klops komisch angucken, wenn ich meine Anmeldung rüber reiche? Aber nichts dergleichen! Mit einem freundlichen Lächeln wünschten sie mir „Lykke til“ (viel Glück).

Am Freitag hab ich mich seelisch und moralisch vorbereitet, meinen Mann vom Flughafen abgeholt und noch Freunde besucht. Das war super Ablenkung!

Dann kam der grosse Tag!
Lange ausgeschlafen, gut gefrühstückt. Dann waren wir nochmal unterwegs (mein Start war ja erst am späten Nachmittag). Sportzeugs kaufen! Radlerhose, Schweissarmbänder, Gels… Bei den Laufklamotten hat mein Mann mich weg gezogen: „Du hast schon genug!“ 😀

Eine gute Stunde vor meinem Start haben wir uns auf den Weg gemacht und in der Nähe von Start und Ziel mit Freunden getroffen, die zum Anfeuern kamen.
Waren da ein Haufen Leute! Wow…
Die Marathonläufer waren schon fertig. Die Halbmarathonläufer nahezu alle im Ziel.
16:15 war der erste Start für die 10 km – insgesamt 5.000 Läufer verteilt auf 5 Startblöcke (entsprechend der angestrebten Zielzeit), die im Abstand von je 5 min. gestartet sind. Ich war im letzten Block und bin eh davon ausgegangen, dass ich eine der Letzten sein werde.
Die einzelnen Blöcke waren gut markiert und leicht zu finden.

So langsam ging es auf den Start zu… 4.000 waren nun schon inzwischen auf ihrer Route. Auf einer Fussgängerbrücke haben 4 Sportler zu Aufwärmübungen animiert.
Countdown…. uuuuuund
START!

Himmel, sind die alle los gerannt!
Vorbei an meinem Mann, der den Start festgehalten hat und nochmal fix gewunken.
Ich habe versucht, mich vom Rasertempo der anderen nicht anstecken zu lassen. Aber irgendwie gelang mir das nur halbwegs. Blick auf die Pulsuhr – über 9 km/h…. Stopp, Jeannette – das ist viiieeel zu schnell! Ich hatte das Gefühl, ich werde von allen überholt! Aber egal – ICH will ankommen!

Nach etwa einem Kilometer wurden Muffins verteilt. Häääh? Essen? JETZT? Putzigerweise war ab da die Strasse ein ganzes Stück mit lustigen braunen Punkten gepflastert. 🙂

So nach und nach verteilte sich die Masse der Läufer. Ich kam langsam ins Grübeln, ich musste doch schon längst die Letzte sein, soviele, wie an mir vorbei ziehen. Aber ein Blick nach hinten… – 1.000 Leute sind doch ganz schön viele!
Der Weg führte um die Akershus Festung herum, vorbei an der Oper und hinein in eine lange Baustelle mit Schotterweg. Boar, hat das gestaubt!
Es war auch ziemlich warm – die Sonne erbarmungslos und kein Schatten dort weit und breit. Da hab ich das erste Mal auf einen schnellen Gehschritt gewechselt. Dann weiter ins Hafengebiet zwischen vielen Containern hindurch. Ok – Laufen geht hier wieder super. Und:
ES MACHT SPASS!

Aber hey Leute, die Hälfte ist rum – es ist warm – ich hab DURST!
Am Ende zwischen den Containern kam wie gerufen die erste Getränkestation – Wasser und Sportdrinks reichlich. Habe 3 halbe Becher getrunken – das tat gut! – und weiter gings.
Dieser Teil der Strecke zwischen den Containern entlang war zwar etwas trist, aber irgendwie hatte das auch was. Ich hatte meine Musik an und war ganz gut im Rhythmus.
Es lief.

Der 7. km ging wieder die Schotterpiste zurück – kleine, schnelle Gehpause.
Anschliessend ging es mitten in die City.
Vorher noch eine Getränkestation – irgendwie wurden die Sportdrinks dort aber wohl mehr verkleckert als getrunken. Man lief jedenfalls anschliessend ein-zwei-hundert Meter durch Klebs.

Was für ein Leben!
Was für eine Stimmung entlang der Loipe!
Das gibt Adrenalin!
Plötzlich hörte ich jemanden: „Heia, heia, Jeannette!“ Ich hab mich gleich umgedreht – ‚kennt mich hier jemand?‘. Da fiel mir ein, dass ja die Namen auf den Startnummern stehen… Toll, wie Wildfremde einen direkt anfeuern.
Die grösste Strecke war geschafft. Aber der letzte km zooog sich. Andererseits hatte die Ziellinie eine magische Anziehungskraft. Auf den letzten paar hundert Metern hatte eine Freundin mich mit Fähnchen begleitet. Das letztet Stück hab ich dann nochmal „aufgedreht“ und bin gesprintet. Also was für mich „Sprinten“ ist – bei einem Durchschnittstempo von 7,3 km/h waren für mich die 13 km/h wirklich schnell (auch wenn andere die gesamten 10 km mit 20 km/h durchrasen).

ICH HAB ES GESCHAFFT!
Nach 1:23:24 bin ich ins Ziel.
Fertig.
Glücklich.
Von den 5.000 Läufern hab ich immerhin gut 260 hinter mir gelassen.

Voller Emotionen hab ich meine Medaille in Empfang genommen.
Bananen, Riegel, Wasser und dann auch meinen Mann. 😉

Er war ziemlich sauer – zum Ziel kam er nicht, um Fotos zu machen, denn andere versperrten mit Rädern komplett seinen Weg…
Auch unterwegs konnte er mich nicht direkt anfeuern. Der Veranstalter hat paar Tage vorher die Streckenführung geändert, diese aber nicht an den Livetracker übertragen, dort war dann noch die alte Strecke drin. Somit konnten meine „Fans“ meinen Weg dann nicht mehr richtig weiter verfolgen und wussten nicht, wo ich war. Ärgerlich für sie. Aber ich hatte so viel Spass am Laufen, dass es mir die Freude am Ende nicht wirklich getrübt hat.
Und vom Veranstalter gibt es ja zum Glück auch Fotos von unterwegs und dem Zieleinlauf.

Ganz besonders emotional fand ich dann auch den Einlauf der letzten Läuferinnen – eine mit Sauerstoffmaske und eine mit Prothese. Das war sehr krass und mir liefen die Tränen.
Es waren auch einige Sehschwache und Blinde unterwegs – mit Begleitung. Ich finde das richtig toll!

Abends dann wurde natürlich noch ordentlich gefeiert. Putzigerweise hiess der Wein, den wir uns ausgesucht hatten „Allesverloren“. 😀 Was für ein Quatsch. Ich hab doch nicht verloren, sondern gewonnen: eine wundervolle Erfahrung. Nämlich die, dass ich es schaffen kann!

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Es war ein wunderbarer Tag!

Perfekt für mein allererstes Laufevent!

6 Kommentare zu “Finished 10k beim Oslo Marathon 2016

  1. Ahhhhhhhhhhhhhhhhhh wie toll geschrieben, sind mir fast die Tränen gekullert weil ich voll mitgefiebert hab. Ich bin stolz auf Dich, hast Du echt prima gemacht und eine groooooooooooooooßartige Leistung ❤

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